SCHEINRÄUME

Exhibition
Participating Artist
Barbezat-Villetard & Patric Sandri
Duration
March 16 - April 01 2017
Opening
March 16 2017 at 18.00 Uhr

Barbezat-Villetard & Patric Sandri

In der Malerei und in der Fotografie bezeichnet man ‚Scheinräume’ als negativer Raum. Dieser negative Raum stellt nicht etwa das Zentrum der Aufmerksam- keit dar, sondern den Hintergrund und beschreibt vielmehr die Grundfläche der Figur-Grund-Beziehung. Im dreidimensionalen Raum ist der negative Raum je- ner Bereich, der die Dinge umgibt und auch auf die Hohlräume in den Objekten selbst verweist. Es ist ein Raum zwischen den Dingen und keine feste Materie, die Raumgrenzen definiert. In der Ausstellung ‚Schein- räume’ gehen die Positionen von Barbezat-Villetard (*1981/*1987) & Patric Sandri (*1979) diesen Zwischen- räumen nach, ihre Interventionen agieren fast wie Schatten, welche die sichtbare Umgebung erst zum eigentlichen Raum modellieren. Die Eingriffe erzeugen Raumstimmungen, die das subjektive Empfinden berühren, Zuordnendes auflösen, und Geschehenes diffus machen. Ihnen gelingt es auf unterschiedliche Art und Weise das visuelle Bild der Raumbegrenzung zu schwächen und die Raumimagination zu stärken. Die hier gezeigten Arbeiten von Patric Sandri bewegen sich alle ausschliesslich auf dieser Schwelle zwischen Zuordnung und Auflösung. Die Elemente Licht und Farbe werden in seiner Malerei nicht als illusionistisches Stilmittel ver- wendet, sondern we den vielmehr in die gesamte Arbeit miteinbezogen. Das Auflösen geschieht durch die weissen Grundflächen (hier verstärkt durch die verputzartige Oberfläche), die wie schwebende Wände wirken und einen offenen Bildraum erzeugen. Die Zuordnung oder den Versuch Tiefe zu erzeugen, geschieht durch die mit Neonpigment bemalten Rückseiten. Immer wieder ist man versucht sich die Bilder von Patric Sandri ‚zu Ende’ schauen zu wollen. Jedes Mal scheitert man aber von Neuem, weil man bemerkt wie das Ganze zu Raum wird. Dies geschieht durch die künstlich erzeugte Lichtwirkung der Neonpigmente, die in die Umgebung abstrahlen. Alles endet in einem bild- haften Nichts, einer Illusion, einem Scheinraum. Es ist erstaunlich, wie es Patric Sandri hierbei gelingt die Grundelemente der Kunst zum eigentlichen Träger zu machen. Einen ‚erweiterten Raum’ erzeugen auch die Arbeiten von Barbezat-Villetard, das Kollektiv beschäftigt sich immer wieder mit den Fragen nach Identität und Wirklichkeit. Der Satz „je suis l’espace où je suis“ * welcher eine Wand der Ausstellung ziert, weist auf die unbegrenzten Möglichkeiten der Lesbarkeit hin. Er animiert den Betrachter zwischen den Zeilen zu lesen. In dieser Einfachheit einer vermeintlichen Logik versteckt sich ein Zwischenraum. Der Satz funktioniert als Palindrom, kann somit vorwärts wie rückwärts gelesen werden „bin ich der Raum, in welchem ich bin, oder bin ich der Raum in welchem ich ICH bin“. Die schein- bar visuelle Konstruktion von Raum und die dafür notwendigen Parameter sind durch das Spiel von Sichtbarem und Unsichtbarem kaum mehr vorhanden. Durch die teils simplen Gesten oder der reinen Reduktion schaffen sie neue Raumwahrnehmungen, wobei hier nicht alleine die visuelle Wahrnehmung über die Möglichkeit des „Visierens“ eine Rolle spielt, vielmehr geht es hierbei um die Handlung des Betrachters selbst. Barbezat-Villetard & Patric Sandri machen das Sehen, Staunen und zugleich die Reflexion zum Thema, beiden Positionen geht es um die Erfahrung und das Erkennen komplexer Prozesse, wobei diese Befragung nicht alleine in der Anschauung durch den Verstand stattfindet, sondern vor allem die sinnlich-emotionale Ebene anspricht.

Vernissage: Donnerstag, 16. März 2017, 18.00-21.00 Uhr