Performance with Sasha Davydova & Julia Skof, Thursday, 14. February, 7.30 pm

Exhibition
Participating Artist
Sasha Davydova & Julia Skof
Duration
February 14 - February 14 2019
Opening
February 14 2019

Talking Ghosts

Zvonko Pavlinec, ein 81jähriger pensionierter Veterinärarzt aus dem ehemaligen sozialistischen SFR Jugoslawien, kriegt Besuch in seinem Heimatstädtchen Slavonski Brod, einem Ort in östlichen Kroatien an der Grenze zu Bosnien. Der Besuch ist die 31jährige Regisseurin und Performerin Sasha Davydova, selbst in der ehemals existierenden UdSSR geboren. SIE wurde von ihrer Freundin und Co-Autorin & -Regisseurin des Projekts Julia Skof dazu veranlasst, deren Großvater ausfindig zu machen und drei Tage mit ihm zu verbringen.
Angekommen im nebelig-verschneiten Slavonski Brod, einem Ort, welchen – so scheint es – die Modernisierung seit der jugoslawischen Ära nie eingeholt hat, kehrt Sasha bei Zvonko ein: sie trinken Tee, essen Eukalyptus-Menthol-Bonbons gegen Erkältung, hören kroatisches Radio und kochen aus den Lebensmitteln, die sich im Zvonkos Kühlschrank an Unmengen angehäuft haben, etwas Leichtes zu Abend. Zvonko taut auf, er lacht, macht Witze und verführt Sasha mit seinem Charme: zum Priester, der einen Tag vor dem Dreikönigsfest kommt, um die Wohnung einzuweihen, meint er: „Mein Herz ist offen, sie bringt mich dazu, mich meiner Vergangenheit zu stellen.“ Als Sasha den älteren Mann fragt, warum er nicht öfters selbst in die Kirche gehe, antwortet er bloß: „Vor so vielen Sünden, die ich in meinem Leben begangen habe, würde die Kirche einstürzen.“ Sasha muss lachen, sie kann nicht glauben, dass dieser sympathische Mann, der ihr gegenübersitzt, Geheimnisse in sich trägt.
Sasha beginnt seinen Erzählungen zu lauschen, die weit in die europäische Geschichte zurückgreifen: Zvonko erzählt ihr von seinen zwei älteren Brüdern – der eine Partisane, der andere Ustascha-Militärsoldat, seiner dreifach verwitweten Mutter und seiner großen Liebe Nada, die er während ihrer Alzheimer-Erkrankung pflegte. Türen öffnen sich. Sasha dokumentiert. Zvonko denkt nicht daran, die Türen zu schliessen.
Zurückgekehrt in Zürich ziehen sich die beiden Theatermacherinnen in ihr Arbeitsstudio zurück und beginnen dort die Fährten der Erinnerung neu zu legen. Was ist in diesen drei Tagen geschehen? Aus den Erinnerungen und dem mitgebrachten Material formen die beiden eine Soundlandschaft, in der sie selbst als Stimmen auftauchen und die Erzählung ins Wanken bringen. Der Galerieraum fungiert dabei als roher Schnittplatz und hypothetisches Wissenslabor.

Uns, die beiden jungen Regisseurinnen Sasha Davydova und Julia Skof, die sich während ihres Theaterregie-Studiums an der ZHdK kennengelernt haben, verbindet das künstlerische Ausloten dessen, wie wir Realitäten erschaffen, dokumentieren und sie in die Welt ausstellen. Wir widmen uns der Frage, wie wir in die Realität einwirken, indem wir uns veröffentlichen und dabei im Gleichzug in unser Selbstbild eingreifen und es verändern.