Reversible

Exhibition
Participating Artist
Douglas Mandry & Simon Heusser
Duration
Februar 28 - April 13 2019
Opening
Februar 28 2019 at Donnerstag & Freitag von 12.00 Uhr bis 17.00 Uhr / Samstag von 12.00 Uhr bis 17.00 Uhr

Rundgang durch die Ausstellung:
Samstag, 09.03.2019, 16.00 Uhr mit SIMON HEUSSER
Donnerstag, 28.03.2019, 19.00 Uhr mit DOUGLAS MANDRY*

REVERSIBLE

Das Wort “gegen” (aus Lateinischen: „versus“) gründet auf der verborgensten und ältesten Bedeutung des Vogelgesangs. Es ist das Fortlaufen eines Verses, oder der kommunikative Charakter eines beharrlichbleibenden Austauschs zwischen Vögeln. Diese Unterhaltung wirkt fast viszeral und erfasst den ganzen Körper und eröffnet neue Hör- und Sichtwelten. Die Ausstellung „REVERSIBLE“ erklärt Umkehrung und Verschiebung und scheint sich genau darauf zu beziehen: auf einen beharrlichen und dauerhaften Dialog zwischen zwei Vögeln, welche auf zwei Bäumen sitzen und miteinander flüstern. Die hier in dieser Ausstellung thematisierte Reversibilität bestätigt sich darin, dass gemeinsame Aspekte vorhanden sind, sich aber auch gleichzeitig Unterschiede abzeichnen und zusammenfallen. Die künstlerische Forschung von Simon Heusser und Douglas Mandry* untersucht den Begriff des Status Quo eines Objekts und somit auch das Fortbestehen im Raum selbst. Das heisst sie geht zwangsläufig der Frage nach, was ein Objekt zum Objekt macht. Denn das Objekt ist Raum und sein  „Raummachen“ ermöglicht es ihm sich als Objekt darzustellen. Diese untersuchende und subtile Dialektik soll anhand der Gegenüberstellung von Skulptur und Fotografie nähergebracht werden. Die gegenseitige und wechselwirkende Raumforschung beider Positionen bewirkt, dass ihre jeweiligen Ausdruckselemente zu einer Verbindung gelangen: Die Nähe von Douglas Mandry* zum bildhauerischen Element zeigt sich offenkundig in seiner Untersuchung ausserhalb der Zweidimensionalität. Auch die Anlehung und Verwendung von Rohmaterial beider Künstler ist grundlegendes und verbindendes Element dieser Ausstellung. An diesem Punkt kehren die Bäume und Lieder zurück: Die Annährung von Douglas Mandry* an das taktile Element in seinem kreativen Prozess ist zentral und charakteristisch für seine Fotografien. Die Formbarkeit und auch Überlagerung von etwas ausschliesslich Sichtbarem, findet in den Händen des Fotografen statt. Es ist ein rein kunsthandwerkliches Handeln, die das materielle Element dekantiert, seine Arbeit unterliegt so der Einzigartigkeit und verleiht der Fotografie Irreversibilität; der kreative, fotografische Prozess wird nicht wiederholbar, wie dieser des Malerischen. Und so wird in der Ausstellung „REVERSIBLE“, in der ein Vers des einen aus dem Mund des anderen gesungen wird, ein Aspekt der Nicht-Reversibilität oder der Nicht-Wiederholbarkeit, dieses Aspekt birgt die Verbindung. So bezieht sich die Einzigartigkeit der Fotografie von Douglas Mandry* auf die Nichtreproduzierbarkeit von Simon Heussers bildhauerischer Arbeit. Simon Heussers Arbeit ist von „Erde“ durchdrungen. Das Rohmaterial und das vollkommene Fehlen jeglicher, elektronischer Vorgänge während des kreativen Prozesses bewirken, dass in seinen Skulpturen das Dichteelement, das für die Untersuchung des Objekts wesentlich ist, überwiegend greifbar wirkt: der räumliche Tanz des Objekts, ist von Simon Heusser bereits in der Wahl der verwendeten Materialen festgelegt. Die Ausstellung „REVERSIBLE“ ist eine Dialektik von Gleichgewichten, die wahrscheinlich bereits schlafend am Flüstern war. Vielleicht ist das Ergebnis einer solch aufregenden Dialektik eine Art Gedicht, in dem der eine dem anderen den Rhythmus vorgibt. Vielleicht ist das der Ton geküsster Reime?

Domenico de Chirico, 2019 (Kurator & Autor)
übersetzt aus dem Italienischen von Carmela Fruci

 

* vertreten durch Bildhalle Zürich